Tag denkzeiten
In den letzten Wochen habe ich gemerkt, wie müde ich geworden bin. Müde vom Schreiben über all die grossen Themen, müde vom Veröffentlichen, vom Erklären, vom Abwägen und auch davon, es möglichst allen recht machen zu wollen. Ein Text ruft Ergänzungen hervor, ein Bild Kritik, und irgendwann verliert man darüber beinahe den Kontakt zu dem, … ... mehr auf denkzeiten.com
«Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist, wir sehen die Welt, wie wir sind.» Anaïs Nin Ein Ort ist nie einfach nur ein Ort, er ist nicht bloss Strasse, Wald, Platz, Bahnhof, Seeufer, Innenhof oder Stadtviertel. Ein Ort ist immer auch das, was wir in ihm sehen. Und was wir nicht sehen. Er besteht … ... mehr auf denkzeiten.com
Es gibt eine Sehnsucht, die sich nicht einfach auswächst. sie begleitet einen Menschen manchmal durch ein ganzes Leben: die Sehnsucht, geliebt zu werden. Nicht bewundert, nicht gebraucht, nicht bestätigt, geliebt. So, dass man nicht erst leisten, funktionieren oder gefallen muss, um willkommen zu sein. Wer als Kind diese Erfahrung vermisst hat, trä... mehr auf denkzeiten.com
Es gibt Gefühle, die laut sind. Wut zum Beispiel. Sie tritt nach vorne, hebt die Stimme, sucht einen Gegner, eine Adresse, einen Ort, an dem sie sich entladen kann. Trauer kann still sein, aber sie hat meist eine erkennbare Richtung: Sie weiss, was verloren ging, oder ahnt es zumindest. Angst warnt vor etwas, das kommen … ... mehr auf denkzeiten.com
Manchmal findet ein Wort zu einem und man fragt sich: Passt das? Woher kommt es? Will ich es behalten, drückt es aus, was ich will, bin, suche, und: braucht das überhaupt ein Wort? Bei mir war das so mit dem Begriff Photosophin. Ich mochte ihn, auch wenn ich ihn nicht wie ein Schild vor mir … ... mehr auf denkzeiten.com
Jeder Mensch verdient es, gut behandelt zu werden. Kein Mensch soll geringgeschätzt, beschämt, gedemütigt oder achtlos übergangen werden. Jeder Mensch trägt eine Würde in sich, die nicht davon abhängt, ob er mir sympathisch ist, ob er meine Werte teilt, ob er sich so verhält, wie ich es mir wünsche. Das ist eine wichtige Haltung, in … ... mehr auf denkzeiten.com
Wie der Mensch dem Leben zu antworten lernt Jeder kennt Phasen im Leben, in denen man ansteht, ohne dass äusserlich gleich eine Katastrophe sichtbar wäre. Eine alte Form trägt nicht mehr. Ein vertrautes Selbstbild bekommt Risse. Eine Beziehung, eine Aufgabe, ein Ort, ein Lebensentwurf verliert seine Selbstverständlichkeit. Konnten wir vorher einfac... mehr auf denkzeiten.com
Es gibt eine Vorstellung, wie ein gutes Leben verlaufen soll: Man wählt einen Weg, bleibt darauf, entwickelt sich weiter, baut etwas auf. Von aussen betrachtet wirkt das überzeugend: eine Ausbildung, ein Beruf, eine Entscheidung nach der anderen. Alles fügt sich, ergibt Sinn und ist geradlinig, ein Leben als Linie, als Entwicklung, als Fortschreite... mehr auf denkzeiten.com
Eine Stunde, in der ein Leben aufscheint «Was in meinen nun mittlerweile sechs Jahrzehnten als Psychotherapeut eine Konstante war, ist die Sehnsucht nach menschlicher Verbindung als einer der wesentlichen Beweggründe der bei mir Hilfesuchenden. Die Menschen dürsten nach engeren, besseren Beziehungen.» Irvin D. Yalom war immer mehr als ein Therapeut... mehr auf denkzeiten.wordpress.com
Warum das Humane erst zwischen Menschen beginnt Manchmal irritieren mich Wörter gerade dort, wo sie am selbstverständlichsten klingen. „Menschlichkeit“ ist so ein Wort. Es taucht zuverlässig auf, wenn etwas zerbricht: nach Katastrophen, nach Anschlägen, angesichts von Krieg, Armut, Flucht, Gewalt. Dann wird nach Menschlichkeit gerufen, und meistens... mehr auf denkzeiten.wordpress.com
Wie man durch ein philosophisches Leben die Angst vor fast allem verliert «Da wir unser Leben nicht auf der Grundlage von Wissen führen – weil es uns daran mangelt –, sollten wir die zweitbeste Art von Leben führen, nämlich ein Leben, das nach Wahrheit strebt.» Es gibt Bücher über Philosophen, die diese erforschen, ihn einordnen, … ... mehr auf denkzeiten.wordpress.com
Wann hat Bildung aufgehört, den Menschen im Zentrum zu haben und zu einem Wort aus Lehrplänen, Schulprogrammen und politischen Sonntagsreden zu werden? Sollte, wenn es um Bildung geht, nicht der Mensch, das Kind im Vordergrund stehen? Geht es nicht um dieses Kind, das vor einer Frage steht, auf die es keine Antwort hat, aber spürt, … ... mehr auf denkzeiten.com
Es gibt Worte, die die Stimmung sofort verändern. Abschied ist eines davon. Kaum ist es ausgesprochen, wird die Luft anders. Etwas zieht sich zusammen. Ein Ende steht im Raum, manchmal leise, manchmal brutal. Abschied klingt nach letzter Umarmung, nach einem Zimmer, das leer bleibt, nach einem Weg, den man plötzlich allein weitergehen muss. Er klin... mehr auf denkzeiten.wordpress.com
Wie wir im Unverfügbaren handlungsfähig bleiben Es gibt Tage, an denen das Leben nicht einfach friedlich dahinfliesst, sondern es stürzt förmlich auf uns ein. Die Gründe dafür sind vielfältig: Eine schlechte Nachricht, ein Verlust, eine Enttäuschung, eine politische Entwicklung, ein Konflikt, eine Krankheit, eine Unsicherheit, die sich nicht auflös... mehr auf denkzeiten.wordpress.com
Über das Sehen, Antworten und in Beziehung sein in der Philosophischen Praxis Wenn man mit offenen Fragen konfrontiert ist im Leben, sucht man gerne Rat im Aussen. Dabei gibt es unterschiedliche Gespräche: solche, die folgenlos bleiben, obwohl viel gesagt wurde, und solche, in denen sich etwas verschiebt, obwohl kaum eine Lösung ausgesprochen wurde... mehr auf denkzeiten.wordpress.com
Warum wir uns schützen wollen – und was wir verlieren, wenn uns der Schutz zu gut gelingt Es gibt Erfahrungen, nach denen man sich fragt: War ich zu offen? Habe ich zu viel von mir gezeigt? Zu schnell vertraut? Dann nimmt man sich vor, vorsichtiger, kontrollierter, oder gar klüger, wie man sich selbst sagt, zu … ... mehr auf denkzeiten.com
Über Umbrüche, Verluste und die Möglichkeit eines Neuanfangs Es gibt Momente, die das Leben in ein Vorher und ein Nachher teilen. Das Leben wird nicht einfach anders, sondern etwas bricht. Nicht im übertragenen, harmlosen Sinn, wie man sagt, dass sich etwas verändert habe, sondern tief gefühlt: Etwas, das getragen hat, fällt weg. Eine Beziehung, ei... mehr auf denkzeiten.com
Über Verbundenheit, Entfremdung, Handeln und Liebe Manchmal gibt es Momente, in denen es sich anfühlt, als stünde ich neben mir und beobachte mich selbst, wie ich in dieser Welt stehe. Es ist, als wäre ich eine Art Knotenpunkt, durch den vieles hindurchgeht: Stimmen, Erwartungen, Erinnerungen, Möglichkeiten, Verletzungen, Hoffnungen. Ich sitze an e... mehr auf denkzeiten.com
„Omnia mea mecum porto“ Cicero* (Alles, was mein ist, trage ich bei mir.) Wir hängen oft an Dingen, nicht nur, weil wir sie haben, sondern weil wir uns über sie verstehen. Wir hängen an Orten, an Rollen, an Beziehungen, an Bildern von uns selbst. Sie geben uns Halt, manchmal auch Richtung. Das geht sogar noch … ... mehr auf denkzeiten.com
«Glück ist kein Geschenk der Götter, sondern die Frucht innerer Einstellung.» Erich Fromm Glück – für viele das höchste Gut. Nach Glück streben wir, Glück erhoffen wir. Es nicht zu haben ist – sprichwörtlich – ein Unglück. Bald ist klar: Glück fällt nicht einfach vom Himmel. Manchmal scheint es, Glück sei ein Geschenk, das manchen … ... mehr auf denkzeiten.wordpress.com
«Im Menschenleben ist es wie auf der Reise. Die ersten Schritte bestimmen den ganzen Weg. Arthur Schopenhauer Warum sind uns unsere Kinder nicht wichtig? Es gibt Sätze, die man nicht schreiben möchte, weil sie zu hart klingen. Und doch stehen sie plötzlich im Raum und ja, ein Vorwurf schwingt mit. Gemeint sind nicht einzelne Kinder … ... mehr auf denkzeiten.com
„Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige.“ Seneca „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ Aristoteles Für mich eine schöne Beschreibung des Lebens und seiner Möglichkeiten. Einerseits haben wir nicht alles in der Hand, müssen mit dem arbeiten, was ist, ab... mehr auf denkzeiten.com
Man sitzt im Zug, hört Gesprächsfetzen, schaut auf Schlagzeilen, scrollt durch Kommentarspalten und bemerkt irgendwann ein eigentümliches Muster: Die Welt scheint sich immer stärker in ein „Wir“ und ein „Sie“ aufzuspalten. Die da oben. Die da unten. Das wahre Volk. Die Eliten. Verräter. Systemmedien. Volksfeinde. Es sind Worte, die längst nicht meh... mehr auf denkzeiten.com
Es gab Zeiten, da erschütterten Bilder die Welt. Das Mädchen aus Vietnam, das nackt vor dem Napalm flieht. Menschen, die aus den Türmen des World Trade Centers springen. Kinderkörper in den Trümmern zerbombter Städte. Solche Bilder waren einmal Unterbrechungen. Sie rissen etwas auf. Nicht nur in den Nachrichten, sondern im Innern der Menschen. Sie ... mehr auf denkzeiten.com
«Da Menschen… in eine immer schon bestehende Menschenwelt geboren werden, geht das Bezugsgewebe menschlicher Angelegenheiten allem einzelnen Handeln und Sprechen voraus, sodass sowohl die Enthüllung des Neuankömmlings durch das Sprechen wie der Neuanfang, den das Handeln setzt, wie Fäden sind, die in ein bereits vorgewebtes Muster geschlagen werden... mehr auf denkzeiten.wordpress.com
Die gegenwärtige Transformation der Öffentlichkeit durch digitale Medien hat nicht nur die Bedingungen politischer Kommunikation verändert, sondern auch die Formen, in denen extremistische Ideologien auftreten, sich verbreiten und wirksam werden. Rechtspopulismus erscheint dabei nicht mehr primär als klar identifizierbare, ideologisch geschlossene ... mehr auf denkzeiten.com
«Ein Vergleich ist immer ein Vergleich von etwas mit etwas anderem in einer bestimmten Hinsicht. Letzteres, das Dritte, muss man explizit machen, um nicht in grobe Gleichsetzung abzurutschen.» Mit Dieser Drang nach Härte legt Eva von Redecker eine der analytisch schärfsten Diagnosen des gegenwärtigen Rechtsrucks vor. Ihr Buch ist keine historische ... mehr auf denkzeiten.wordpress.com
„Es gibt vielleicht jetzt kein besser geglaubtes Vorurteil als dies: dass man wisse, was eigentlich das Moralische ausmache.“ Friedrich Nietzsche* Ich lese immer wieder über die steigenden Benzinpreise wegen des Krieges im Nahen Osten. Und dann sitze ich so hier und frage mich, ob das wirklich das grösste Problem an all dem ist? Und ich … ... mehr auf denkzeiten.wordpress.com
Vom Aushalten der Spannung, ohne hart zu werden Es gibt Tage, an denen ich den Eindruck habe, die Welt sei dünnhäutiger geworden. Nicht nur die Welt im grossen Sinn, nicht nur die politische Öffentlichkeit, nicht nur die sozialen Medien, sondern auch die Gespräche im Kleinen. Ein Satz genügt, und etwas kippt. Eine Nachfrage wird als … ... mehr auf denkzeiten.com
Warum Menschen rechts wählen – und was daraus folgt Es beginnt oft mit einem Satz, der in seiner Schlichtheit leicht überhört wird. „Die da oben interessieren sich doch nicht für uns.“ Man hört ihn beim Vorbeigehen, an der Bushaltestelle, im Restaurant, an Familienfesten oder liest ihn auf Facebook unter irgendeinem politischen Beitrag. Häufig folg... mehr auf denkzeiten.com
Die Frage nach dem Reichtum wird gewöhnlich entlang von Zahlen verhandelt, es geht um Einkommen, Vermögen, Besitz, im Fokus stehen Schwellenwerte, Rankings, Vergleichsgrössen. Diese Perspektive verfehlt etwas Entscheidendes, denn sie setzt dort an, wo Reichtum bereits veräusserlicht ist, in Dingen, die man haben kann. Die eigentliche Frage müsste f... mehr auf denkzeiten.wordpress.com
Bildung als Praxis der Teilhabe Die moderne Demokratie lebt von Voraussetzungen, die sie selbst nicht garantieren kann, weil sie die Grundlagen dafür nicht schafft. Sie braucht Menschen, die urteilsfähig sind, Verantwortung übernehmen und bereit sind, sich in eine gemeinsame Welt einzubringen, doch entstehen diese Fähigkeiten nicht von selbst. Sie ... mehr auf denkzeiten.wordpress.com
Der Begriff der „illiberalen Demokratie“ gehört zu den irritierendsten politischen Diagnosen der Gegenwart. Er verweist auf eine Entwicklung, in der demokratische Formen wie Wahlen, Mehrheiten, institutionelle Verfahren erhalten bleiben, während ihr normativer Kern schrittweise ausgehöhlt wird. Was bleibt, ist eine leere Hülle, keine funktionierend... mehr auf denkzeiten.com
Zur affektiven Logik von Ausgrenzung, Frauenfeindlichkeit und gesellschaftlicher Ordnung Politische Systeme beruhen nicht allein auf Gesetzen, Institutionen oder rationalen Überzeugungen, sie sind ebenso gesteuert von Gefühlen. Angst, Hoffnung, Ressentiment, Stolz oder Empörung prägen politische Wahrnehmungen und bestimmen darüber mit, wer als zuge... mehr auf denkzeiten.wordpress.com
„Sprechend und handelnd schalten wir uns in die Welt der Menschen ein, die existierte, bevor wir in sie geboren wurden, und diese Einschaltung ist wie eine zweite Geburt, in der wir die nackte Tatsache des Geborenseins bestätigen, gleichsam die Verantwortung dafür auf uns nehmen.“Hannah Arendt Philosophie, verstanden als ernsthafte Praxis des Denke... mehr auf denkzeiten.com
„Die wirtschaftliche und politische Szene ist komplizierter und umfangreicher geworden, als sie früher war, der einzelne ist daher weniger in der Lage, die Dinge zu durchschauen. Auch die Bedrohung, der er sich ausgesetzt sieht, hat zugenommen… Das Gefühl der Ohnmacht wird beim einzelnen auch noch durch das Gespenst eines drohenden Krieges verstärk... mehr auf denkzeiten.wordpress.com
Begriff und analytische Einordnung Faschismus bezeichnet eine spezifische Form autoritärer Herrschaft, die sich durch ultranationalistische Ideologie, charismatische Führerzentrierung, massenpolitische Mobilisierung und den Anspruch auf umfassende gesellschaftliche Kontrolle auszeichnet. Historisch geht der Begriff auf das Regime unter Benito Musso... mehr auf denkzeiten.com
Die politische Theorie hat Gefühle lange Zeit als epistemisch problematische Größen behandelt, als Störfaktoren rationaler Urteilsbildung, die es im idealen Fall zu neutralisieren gelte. Diese Gegenüberstellung von Vernunft und Gefühl ist jedoch nicht nur empirisch unhaltbar, sondern auch theoretisch verkürzend. Gefühle sind durchaus konstitutive M... mehr auf denkzeiten.com
„Sprechend und handelnd schalten wir uns in die Welt der Menschen ein, die existierte, bevor wir in sie geboren wurden, und diese Einschaltung ist wie eine zweite Geburt, in der wir die nackte Tatsache des Geborenseins bestätigen, gleichsam die Verantwortung dafür auf uns nehmen.“Hannah Arendt Philosophie, verstanden als ernsthafte Praxis des Denke... mehr auf denkzeiten.com
Und wieder eine Nachricht, die mich erschüttert hat, als ich sie sah. Und wieder ein Verlust für die Welt, eine Stimme, die fehlen wird. Nomen est omen – ein Spruch wie für ihn gemacht. Mit Alexander Kluge ist eine der eigensinnigsten und produktivsten Stimmen der deutschen Nachkriegsintellektualität verstummt. Kluge war nie nur Filmemacher, ... mehr auf denkzeiten.wordpress.com